Allermöher Triple Marathon
(liw) Ich hatte mal behauptet, mit dem Laufen aufhören zu wollen, wenn ich jemals über fünf Stunden für einen Marathon brauchen würde. Am letzten Wochenende war es soweit. Nachdem ich um 16:50 Uhr am Eichbaumsee nach dem zweiten Marathon in das Ziel gekommen bin, blieb die Zeit für die 42,195 Kilometer auf 5:50 Stunden stehen.
Früh im Jahr schien es mir noch eine gute Idee zu sein, am 26.06. am Triple Marathon in Allermöhe teilzunehmen. Die Veranstaltung versprach genau das, was ich idealerweise erwarte: eine lange Strecke, in reizvollen Landschaft, nicht zu weit weg von zu Hause und deshalb leicht zu erreichen und mit dem gewissen Maß an Verrücktheit.
Leider lief das Jahr nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Geringe Trainingskilometer führten schon bei anderen Läufen zu eher durchwachsenen Ergebnissen, aber nun war ich schon einmal angemeldet, da sage ich natürlich auch nicht ab.
Wie der Name schon vermuten lässt, besteht der Triple-Marathon aus drei Marathonläufen, diese werden um 5:00, 11:00 und 17:00 Uhr gestartet. Für jeden Lauf gibt es eine Zielschlusszeit von sieben Stunden; das gilt faktisch aber für die Mehrfachläufer nur für den letzten Lauf, weil man sonst den Start des Anschlusslaufs verpasst. Für jeden Marathon müssen 16 Runden um den Eichbaumsee gelaufen werden. Klar, dass hier nur Überzeugungstäter an den Start gehen.
Am Sonnabend hieß es also zu sehr früher Stunde aufzustehen. Kurz nach drei war die Nacht zu Ende und mit einem Nachtfrühstück und der Anfahrt nach Allermöhe war ich gegen halb fünf am Startort. Dort herrschte schon rege Betriebsamkeit und die Zeit zum Start reichte gerade, um die allernotwendigsten Vorbereitungen zu treffen. Vorher wurden wir von Peter eingewiesen: erster Marathon im Uhrzeigersinn, beim zweiten geht es in die andere Richtung, der dritte wieder wie der erste. Öffentliche Toiletten befinden sich an der Strecke, werden aber erst um 8 Uhr geöffnet und um 20 Uhr geschlossen. Außerhalb dieser Zeiten muss improvisiert werden. Immer schön auf dem Weg am See bleiben, dann verläuft sich auch keiner. Letztes Jahr haben die Dänen alles abgeräumt, dass solle (so sein Wunsch) dieses Jahr anders sein. Trotzdem wurden die Dänen ebenso wie die Holländer herzlich willkommen geheißen. Fünf, vier, drei, zwei, eins und Start. Etwa 20 bis 30 Läufer machen sich auf den Weg.
Am Eichbaumsee war ich vorher noch nie, vollkommen zu Unrecht, wie ich feststellen musste. Es ist hier nämlich sehr schön - und das obwohl der See nun schon im dritten Jahr wegen Blaualgenbildung zum Baden gesperrt ist. Als Läufer ist mir das recht egal, schade ist es trotzdem, denn der Eichbaumsee hat mehrere schöne große Strände und sehr gepflegte Liegeflächen. Auch die Infrastruktur stimmt. An mehreren Stellen gibt es öffentliche Toiletten, die auch in gutem Zustand sind. Irgendwer war in dieser Angelegenheit sehr kreativ; fast könnte man hier ein Toiletten-Expo im öffentlichen Raum vermuten: Hier gibt es Toiletten in Gartenhäuschenform, im Container und in der Form von Nissenhütten.
Am frühen Morgen ist hier natürlich noch nicht viel los und so sind wir Läufer auch alleine auf der Strecke. Recht schnell zieht sich das Feld auseinander, jeder läuft weitgehend alleine vor sich hin und genießt die aufgehende Sonne und (noch) die steigende Temperatur. Sehr warm soll es heute werden, schon jetzt fühle ich mich mit meinem langärmligen T-Shirt viel zu warm angezogen - und bin das auch. Nur auf den noch vorhandenen Schattenstrecken ist es etwas kühler; aber auch das wird sich im Verlauf des Tages ändern.
Auf der Südseite des Sees läuft man entlang der Dove-Elbe und der Ruderregatta-Strecke, auf der natürlich auch noch nichts los ist. Hier tut sich erst ab 9:00 Uhr etwas, denn dort findet heute der Taiwan-Cup im Drachenbootrennen statt. Die Teilnahme dort wäre noch eine Alternative gewesen, kurzzeitig hatte ich auch überlegt, am zweiten Marathon nicht teilzunehmen und die beim Drachenbootrennen startende Firmenmannschaft zu unterstützen. Das war aber nicht vernünftig zu organisieren, also blieb ich beim Laufen.
Von verschiedenen Stellen hat man einen schönen Panoramablick über den See. Von dort erscheint er viel größer als er wirklich ist. So ab Runde vier beginnen die Überrundungen. Ich hatte mich bei der Zeiteinteilung an meinem 24-Stunden-Starttempo orientiert. Das bedeutete eine angestrebte Marathonzeit von 4:15 bis 4:30 Stunden. In diesem Tempo zockelte ich Runde um Runde um den See und versuchte mir krampfhaft die Rundenzahl zu merken. Das wäre aber gar nicht notwendig gewesen, denn die Helfer behielten immer den Überblick und sagten die letzte Runde an. Nach 4:32 Stunden hatte ich den ersten Marathon im Kasten. Fast in der Zeit und noch einigermaßen frisch; nur die Schuhe und die Beine waren durch den Staub extrem schmutzig geworden.
Die verbleibenden 1,5 Stunden nutzte ich dazu, meine Füße zu waschen und mich schon für den nächsten Lauf umzuziehen, zwingend in kurz. Im Auto habe ich micht noch etwas ausgeruht und Radio gehört. Leider überraschte mich der Deutschlandfunk mit Xavier Naidoo in der Sendung Klassik-Pop-et cetera. XN ist regelmäßig ein Grund für mich, den Sender zu wechseln. Doch das Radio war gegen mich: obwohl es andere Sender anzeigte, kam immer noch dasselbe Programm. Verschwörung! Nur der manuelle Eingriff verhinderte schlimmeres und ich konnte den Rest der Zeit doch noch etwas entspannen.
Kurz vor elf ging ich wieder zum Start. Die offensichtlich doch müden Knochen wollten sich nur langsam bewegen und so lief ich schon vom Start weg hinterher. Zudem ging es nun in anderer Richtung um den See. Ein komisches Gefühl, so als ob man gezwungen wär, alles mit links zu machen. Auf der dritten Runde hatte ich mich dann endlich an die neue Richtung gewöhnt.
Zum 11-Uhr-Marathon waren auch einige neue Starter auf der Strecke. So erfuhr ich von Christian von einer ähnlichen Veranstaltung im nächsten Jahr auf Bornholm, bei der man an einem Tag vier Marathons laufen könne. Ob ich das will? Ich glaube nicht. Zumal mir jede Runde schwerer fiel. An der Dove-Elbe lenkte ich derweil mit den Drachenbooten ab. Auch sonst nahm der Besucherstrom zum See deutlich zu, vor allem am Hundestrand war ordentlich was los. Des Läufers bester Freund zeigte sich aber von der guten Seite, ich habe keinen Mensch-Tier-Vorfall erlebt.
Die hohen Temperaturen provozierten bei den Sonnenbadenden freizügigere Kleidung. Um den See liefen einige schräge Vögel und damit meine ich nicht die Läufer - Spaziergänger und Hundehalter waren vermutlich anderer Meinung. Einige ließen sich häuslich nieder, grillten, kochten Tee und Kaffee oder trafen sich mit Freunden und Familien. Die Läufer waren dafür Rahmenprogramm, von dem einige dann auch mit Beifall Kenntnis nahmen.
Durch die vielen Seebesucher wurde es nicht leer auf der Strecke, es waren aber immer weniger Läufer unterwegs. So war ich froh, dann doch noch mal den einen oder anderen Mitstreiter zu sehen. Allerdings war mein "Tempo" mittlerweile so langsam, dass ich mich irgendwo sehr weit hinten vermutete. So war es dann auch, es gab allerdings auch einige, deren Respekt ich dadurch gewinnen konnte, dass ich nicht aufgab. Nach 5:50 Stunden wurde mein bisher schlechtester Marathon dann noch mit der zweiten Medaille belohnt. Von der Teilnahme am dritten Marathon nahm ich Abstand, weil ich fast ohne Unterbrechung weiter hätte laufen müssen und möglicherweise sogar die Zielzeit des dritten Marathons verpasst hätte; das wollte ich vermeiden. Zu weiterer Bewegung war ich heute nicht zu motivieren, das war mir auf den letzten Runden klar geworden.
Deutlich über 5 Stunden für 42 Kilometer. Uff! Wie komme ich nun aus der Zwickmühle meines Versprechens heraus, beim Überschreiten dieser Grenze keinen Marathon mehr laufen zu wollen? Ach was, ich frage mal bei der FDP in Berlin nach, die haben Erfahrung in nicht gehaltenen Versprechen. Bis zum nächsten Marathon in hoffentlich deutlich besserer Zeit werde ich wohl eine Antwort erhalten.
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Die Fakten
- 2. Allermöher Triple Marathon
- Start am 26.06.2010, 5:00 Uhr, 11:00 Uhr und 17:00 Uhr
- Lauf um den Eichbaumsee, je 16 Runden
- Länge 3 mal 42,195 km
- 40 Teilehmer an mindestens einem Marathon
- Informationen über die Website des [100 Marathon Clubs]
Startnummer
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