Winsener Anzeiger, 02.05.2003

Wim und Wind als die Top-Acts am Schloss

Ein äußerst selten in Winsen auftretendes Phänomen gab es gestern Morgen am Stöckter Deich zu beobachten: Ein nicht enden wollender Lindwurm von bewegungshungrigen Menschen tummelte sich auf der Deichkrone, schien bei seiner Schweiß treibenden Aktivität fast quer in der Luft zu liegen.

Des Rätsels Lösung: In der Kreisstadt an der Luhe war mal wieder Stadt- und Deichvolkslauf angesagt, der insgesamt 19. seiner Art. Soweit nichts Ungewöhnliches. Was gestern für die unzähligen Läuferinnen und Läufer erschwerend hinzu kam, war der kräftige und böige Wind, der das eine oder andere Leichtgewicht gehörig aus der angestrebten (Lauf-) Bahn pustete. Selbst so erfahrene Laufhasen wie 10,8-km-Sieger Tim Tomczak (LG Nordheide/35:46 min) hatten noch im Ziel Respekt vor den Gewalten der Natur: "Alter Schwede, das war der Hammer. Ich war froh, dass ich im Pulk laufen konnte."

Als Hammer lässt sich ohne Zweifel auch die Tatsache bezeichnen, dass das Organisationsteam des TSV Winsen mit Hans-Günter Ulmann und Günter Leck an der Spitze einen neuen Teilnehmerrekord vermelden konnte. Der alte stammte aus dem Jahre 2001 und hatte bei 660 Läufern, Walkern, Wanderern und Inlineskatern gelegen. Auf das Skaten verzichtet man in Winsen mittlerweile. Dennoch herrschte gestern Nachmittag eitel Sonnenschein, als die neue Bestmarke mit 741 im Ziel einlaufenden Teilnehmern auch in Zahlen gefasst war. Schon nach den 630 Voranmeldungen hatte man auf solch ein Ergebnis hoffen dürfen.

Wirft man einen Blick in die Siegerlisten, wird deutlich, dass die Leichtathletik in Winsen und Umgebung nicht nur in der Lage ist, solch ein Großereignis zu organisieren, sondern sich mit hervorragenden Läuferinnen und Läufern auch ganz vorne zu platzieren. Neben dem bereits erwähnten 10,8-km-Sieger Tim Tomczak, der in Borstel wohnt, kamen auch die schnellste Frau und der schnellste Mann auf der längsten Distanz, dem Halbmarathon, aus der Kreisstadt. Petra Nachtigall ist beim Stadt- und Deichvolkslauf fast schon auf Sieg programmiert, fügte ihrer langen Erfolgsserie einen weiteren 1. Platz hinzu.

Wesentlich länger um den Sieg musste da schon Vorzeigetriathlet Vadim Ruschmeyer kämpfen, der diesmal für den Winsener Schwimmverein an den Ablauf ging. Der 38-Jährige hatte nach einem Drittel der Strecke bereits 30 Sekunden Rückstand auf Lutz Lindigkeit (LG HNF Hamburg), konnte diesen bis Kilometer 16 aber wieder egalisieren und schließlich auf den letzten 1000 Metern in den Straßen Winsens den Gesamtsieg an sich reißen. Nur mit seiner Zeit von 1:18:57 std war Ruschmeyer nicht zufrieden. Da machte sich die einwöchige Trainingspause aufgrund einer Erkrankung bemerkbar.

Über diese beiden Hauptläufe hinaus standen die Athleten aus Winsen und Umgebung auch auf den kürzeren Distanzen im Mittelpunkt. Über 6 Kilometer gab es in Person von Jan Martin Gutzeit (20:30 min), Robert Supplieth (21:19 min) und Christian Lehmann (21:20 min) einen Dreifachsieg für die LG Nordheide. Die schnellste Frau über 6 Kilometer hieß Alexandra Hahn (22:41 min), ebenfalls LG Nordheide. In den Schülerläufen über 1 und 2 Kilometer waren Alexander Radwe (MTV Borstel-Sangenstedt) und Kim Elisa Sussmann (MTV Laßrönne) nicht zu schlagen.

Winsens Bürgermeister Bodo Beckedorf, der bei einigen Läufen den Startschuss abgab, durfte auch noch einen besonderen Gast in "seiner" Stadt begrüßen. Wim van Winsen aus Drachten in den Niederlanden war über das Internet auf den Lauf aufmerksam geworden. Der 50-jährige Lehrer bereute seinen weiten Trip in den Tulpenferien nicht: "Der Empfang ist hier einfach super gewesen."